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König der Fische:

der Lachs

  

Ohne Zweifel ist der Lachs der am besten untersuchte

Fisch der Welt. Obwohl es größere, stärkere und

farbenprächtigere Fische gibt, hat die Lebensweise des

Lachses die Menschen immer fasziniert - und sein

Fleisch ihnen gemundet.

 

 

Der Lachs ist in Deutschland seit langem ausgestorben. Doch seit 1993 kann man wieder von einem Lachsfluss sprechen: In der Oste, einem Nebenfluss der Elbe, gibt es einen Stamm von 500 Lachsen - die 1994 in die Elbe eingewandert sind! Ein Erfolg, der den Anglern zu verdanken ist, die Hunderttausende von Arbeitsstunden dieser Aufgabe gewidmet haben.

Endlich werden die Angler auch von Politikern unterstützt. Ehrgeizige Projekte und zukunftweisende Gesetze sollen dafür sorgen, dass der Lachs bei uns wieder dauerhaft heimisch wird. So haben Schleswig- holsteinische Angler ein Gesetz bewirkt, das es Nebenerwerbsfischern verbietet, an Flussmündungen mit Netzen die Lachse wegzufangen, die Angler in den Flüssen gezüchtet haben. Diese Entwicklung stimmt optimistisch.

Nun zum Lachs selbst: Dieser erstaunliche Fisch schwimmt ein bis drei Jahre lang Tausende von Kilometern durch den Atlantik und kehrt dann

genau in den Fluss, der sein Geburtsort ist, zum Laichen zurück. Diese Rückkehr ist der Höhepunkt einer unglaublichen Reise, die oft genug mit dem Tod endet.

Der Laichplatz ist der Ort, an dem alles beginnt. Der Atlantische Lachs laicht zwischen November und Januar, da er zur Eiablage kaltes, sauerstoffreiches und Schnellfließendes Wasser benötigt. Das Geschlecht laichreifer Lachse ist einfach zu bestimmen: Der Rogner (Weibchen) ist dunkelgrau gefärbt, mit dunklen Punkten, und hat einen prallgefüllten Bauch. Der Milchner (Männchen) ist ockerbraun bis rötlich. Der Unterkiefer ist stark verlängert und zum sogenannten Laichhaken aufwärtsgebogen.

 

Das Laichen

 

Das Weibchen gräbt eine flache Laichgrube in den Kies, indem es mit seitlich schlagendem Schwanz kleine Steine, Sand und Pflanzen aus dem Wege räumt. Immer wieder drückt es die Afterflosse in die Laichgrube, um die Tiefe zu testen. Wenn sie 15- 30 cm tief ist, schwimmt das wartende Männchen heran, und gemeinsam werden dann Milch und Eier in die Laichgrube gegeben. (Eigenartigerweise gibt es männliche Junglachse, die geschlechtsreif werden, bevor sie überhaupt im Meer waren. Diese Junglachse warten vor den Laichgruben auf ihre Chance, um ihrerseits die Eier zu befruchten.) Danach deckt das Weibchen die Laichgrube mit Kies zu. Die Jungen, "Dottersacklarven" genannt, schlüpfen zwischen April und Mai. Sie verstecken sich im Kies und leben dort die ersten paar Wochen nur von ihrem Dottervorrat.

 

Erstmal fressen

 

Wenn der Dottersack aufgebraucht ist, brauchen die jungen Lachse Nahrung, hauptsächlich Insekten wie Steinfliegen- und Köcherfliegenlarven. In diesem Stadium werden sie als "fressfähige Brut bezeichnet. Wenn sie den kalten Frühling überstanden haben und von Bachforellen und Reihern verschont worden sind, stehen ihnen immer noch manche Abenteuer bevor.

Die Junglachse bleiben in den Oberläufen der Flüsse. Langsam entwickelt sich eine Reihe dunkler Flecken auf ihren Flanken, mit je einem roten Punkt dazwischen. Sie sehen jetzt kleinen Bachforellen zum Verwechseln ähnlich. Nach einem bis fünf Jahren treten Veränderungen im Körper ein, die die Fische auf das Leben im Meer vorbereiten. Spezielle Zellen in Kiemen und Darm können zur Salzausscheidung genutzt werden, und die Schuppen färben sich silbern.

 

Auf zum Meer

 

Wenn die Jungfische sich ganz und gar silbern gefärbt haben, sind sie etwa 20 cm lang und werden als "Smolt" bezeichnet. Sobald die Wassertemperatur ansteigt, beginnen sie mit der Wanderung ins Meer, wo sich ihnen ein großer Nahrungsreichtum eröffnet: Garnelen, Sprotten, Sandaale und kleine Dorsche. Einige Lachse bleiben in Küstennähe, die meisten jedoch unternehmen weite Nahrungswanderungen ins Meer hinaus. Dort lauem aber auch ihre Feinde: Robben, Wale, Seevögel, Dorsche und Conger.

Der Aufenthalt im Salzwasser bereitet die Lachse auf die anstrengende Laichwanderung flussaufwärts vor. Sie nehmen gewaltig an Gewicht zu: Innerhalb eines Jahres können sie es verszwanzigfachen. Einige Lachse steigen schon nach einem Jahr wieder zum Laichen auf, andere bleiben bis zu vier Jahre im Meer und erreichen Gewichte bis zu 18 kg.

 

Der lange Rückweg

 

Jetzt beginnt der anstrengendste Abschnitt im Leben eines Lachses. Wie die Fische den Weg aus dem offenen Meer zur richtigen Küste zurückfinden, ist eine navigatorische Glanzleistung (dabei orientieren sie sich wahrscheinlich am Erdmagnetfeld oder am Stand der Sonne und Sterne). Haben sie erst einmal die Küste erreicht, weist ihr ausgezeichneter Geruchssinn den weiteren Weg. Mit ihm sind sie in der Lage, ihren Geburtsfluss wiederzufinden In vielen europäischen Flussmündungen stehen Netze, wenn der Lachs ihnen entgeht und auch die Wasserverschmutzung überlebt, steigt er in. mehreren Etappen weiter flussaufwärts. Diese Etappen fallen meist mit hohen Wasserständen im Fluss zusammen. Während der gesamten Zeit im Süßwasser nimmt der Lachs keine Nahrung mehr auf. Von den im Salzwasser angefressenen Fettreserven kann er über ein Jahr lang zehren.

Selbst Hindernisse halten den Lachs auf seinem Weg nicht auf. Er überwindet sogar Wasserfälle von 3,5 m Höhe, wenn sich davor genügend tiefes Wasser befindet, um Anlauf zu nehmen. Er kann aber nur während des Tages über Hindernisse springen, weil er Licht braucht, um die Höhe abzuschätzen. Von dieser Sprungkraft hat er auch seinen Namen die Römer nannten ihn Salmo, von salire (springen).

 

Viele überleben nicht

 

Im November haben die meisten Lachse ihre Laichplätze erreicht. Sie laichen bis Mitte Januar. Danach sind die Fische vollkommen erschöpft und abgemagert. Die meisten Männchen und einige Weibchen sterben entweder vor Schwäche oder durch Pilzinfektionen. Die anderen überwintern in tiefen Gumpen oder lassen sich mit der Strömung zurück ins Meer treiben.

 

Beide Seiten des Atlantiks

 

Der Atlantische Lachs ist an der nordamerikanischen und an den europäischen Atlantikküsten sowie in der Nord- und der Ostsee anzutreffen. Südlich der Britischen Inseln findet man nur noch wenige Lachse. Die früher zum Teil riesigen Bestände bei uns, in Frankreich, den Niederlanden und Polen sind verschwunden oder so klein, dass sie stark gefährdet sind. In Norwegen, Schweden, Island und - mit Abstrichen - auf den Britischen Inseln gibt es noch nennenswerte Bestände. Im Meer waren es vor allem die Berufsfischer, welche die Bestände dezimierten, zum einen durch den Lachsfang selbst, zum anderen durch Industriefischerei auf Kleinfische, die dem Lachs die Nahrungsgrundlage entzog. Von Anglern gefangene Lachse fallen dagegen zahlenmäßig nicht ins Gewicht.

 

Lebensdaten

 

Wissenschaftlicher Name: Salmo salar

Höchstgewicht: 36 kg

Maximale Länge: 1,5 m

Lebenserwartung: bis 10 Jahre

(normalerweise 4- 5)


 
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Wo wird geangelt?

 

Früher war der Lachs in fast allen größeren Flüssen Europas von Spanien und Portugal bis nach Norwegen und Russland beheimatet. Für den weiträumigen Rückgang der Lachspopulationen unserer Flüsse gibt es verschiedene Ursachen. Wehre, Sperrwerke und Dämme haben viele Flüsse für Lachse unpassierbar gemacht; Gewässerverschmutzung und Flussbegradigungen trugen ebenfalls zum Niedergang der Bestände bei. Dennoch gibt es auch heute europäische Flüsse, wo man auf Lachs angeln kann. Gute, aber häufig sehr teure Lachsangelmöglichkeiten findet man noch in Norwegen, Schweden, Island und auf den Britischen Inseln. Im Süßwasser nimmt der Lachs keine Nahrung zu sich; deshalb kann es auch so frustrierend sein, ihm nachzustellen. Zum Glück für den Angler behält der Lachs noch eine Weile nach dem Aufstieg seinen Beißreflex, der ihn nach Spinnern, Fliegen, Würmern und anderen Ködern schnappen läßt.